Smartphone-Junkies im Seminaralltag

Als Trainer kommt Ihnen folgende Szene vermutlich bekannt vor: Sie erklären Ihren Seminarteilnehmern gerade einen komplizierten Sachverhalt und einer wischt seelenruhig auf seinem Smartphone herum. Offensichtlich ist er nicht bei der Sache. Sie beobachten ihn aus den Augenwinkeln und ärgern sich über dieses Verhalten.

Doch wie gehen Sie damit um? Sollten Sie Smartphones einfach "par ordre du mufti" aus dem Unterricht verbannen, um den Trainingserfolg sicherzustellen – und Ihre Nerven zu schonen? Als Trainer mit langjähriger Erfahrung sehe ich dieses Thema differenziert. Aus meiner Sicht ist es unbestreitbar, dass die Ablenkung durch das Mobiltelefon nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Aufnahmefähigkeit der Teilnehmer hat.

Wertschätzender Hinweis statt Appell oder Drohung

Andererseits habe ich es mit erwachsenen Menschen zu tun! Ich sehe mich also nicht in der Rolle, Verantwortung für das Handeln meiner Teilnehmer zu übernehmen. Die Nutzung von Handy oder auch Laptop deute ich auch nicht als persönliche Missachtung. Schließlich kenne ich die Beweggründe der Person nicht. Ich kann auch nicht feststellen, ob sie im Internet surft, mitschreibt oder etwas zum Thema recherchiert.

Meine Lösung: Wenn ich den Eindruck habe, dass es hilfreich wäre, das Telefon aus der Hand zu legen, weise ich Teilnehmer auf die nachweisliche Verringerung der Aufmerksamkeit und damit Kognitionsleistung hin. Die Entscheidung bleibt den Angesprochenen überlassen. Dementsprechend formuliere ich das nicht als Appell, Drohung oder Forderung, sondern wertschätzend als sachliche Information. So können die Teilnehmer eigenverantwortlich eine informierte Entscheidung treffen.

Besser lernen mit Smartphones?

Statt mich über Smartphones oder Tablets im Training aufzuregen, könnte ich sie natürlich auch in meine Didaktik integrieren. Für mich kommt das aktuell aber nicht in Frage. So sind Abstimmungs-Apps aus meiner Sicht eine Spielerei ohne erkennbaren Sinn. Es sei denn, ich habe es mit Großgruppen zu tun – etwa bei einem Vortrag oder einer Vorlesung.

Für eine sinnvolle Nutzung von Smartphone & Co. im Training wäre eine Integration in die gesamte Präsentationstechnik und eine gänzlich andere Aufbereitung der Inhalte erforderlich. Zudem ist aus meiner Sicht die Abstraktionsbarriere zu groß. Unser Gehirn kann fassbare Dinge und reale Kommunikation besser verarbeiten und nutzen als kleine Bilder auf winzigen Bildschirmen und glatten Oberflächen, auf denen wir herumtippen oder wischen müssen, um Informationen zu verknüpfen. Neurobiologisch gesehen sind wir eben eher "steinzeitlich" angelegt.

Smartphone ja oder nein: Die Teilnehmer entscheiden

Mein Fazit: Ich werde Handys im Training weder verbieten noch deren Nutzung fördern. Ich trage die Verantwortung dafür, was ich an Lernchancen anbiete. Die Teilnehmer entscheiden, was sie davon annehmen wollen. Letztlich ist es mir wichtiger, dass die Teilnehmer Freude an der Veranstaltung haben (dann lernen sie auch besser), als dass ich theoretisch bestmögliche Rahmenbedingungen schaffe (Handy weg) und die Teilnehmer sich vor lauter Ärger oder Frust nicht mehr mit dem Thema beschäftigen.

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Wolfgang Ponikwar

freier Trainer, München

Wolfgang Ponikwar ist als freiberuflicher Trainer für die ISARTAL akademie tätig. Neben seinen Themenschwerpunkten Anforderungsmanagement und -modellierung beschäftigt er sich als ausgebildeter Suggestopädie-Trainer mit lernfördernder Unterrichtsgestaltung.

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