Einsatz von »Lernlandkarten« in Seminaren

Ein Fachseminar bedeutet in der Regel: Vorgegebener Lehrplan, förmliche Prüfung und ein knappes Zeitbudget, das sich oft mehr am äußeren Druck als an den Inhalten orientiert. Das Training mit Spielen und Gruppenarbeiten frei gestalten? Erfahrene Trainer wissen: Das ist zeitlich kaum möglich. 

Doch Frontalunterricht mit vorbereiteten Präsentationen kann nie alle individuellen Erwartungen bedienen. Die Teilnehmer fragen nach, erkundigen sich nach Zusammenhängen, können sich die vielen neuen Begriffe schwer merken. Zusätzliche Erklärungen sind deshalb immer nötig, kosten aber wertvolle Minuten, die fürs Ausprobieren fehlen.

Wie wäre es also, wenn sich die Teilnehmer vorab über die Begriffe informieren könnten? Wenn sie selbst Anknüpfungspunkte finden oder zumindest konkretere Fragen formulieren könnten? Trainerinnen und Trainer könnten dann viel gezielter antworten. Und es bliebe mehr Zeit für eine praktische Intensivierung.

Die Idee: Lernlandkarten geben Orientierung

Aus dieser Überlegung heraus habe ich vor einigen Jahren in einem Fachtraining mit abschließender Zertifizierungsprüfung zum ersten Mal »Lernlandkarten« eingesetzt. In der Schule gibt es das Konzept schon länger. In der beruflichen Bildung sind Lernlandkarten dagegen weitgehend unbekannt.

Dabei ist die Idee bestechend simpel: Die Teilnehmer eignen sich den Lerninhalt an, indem sie die Inhalte und die Begriffe bearbeiten, sortieren und auch im Austausch mit den anderen gestalten. Dazu bekommen sie viele kleine Kärtchen, Klebe- und Farbstifte. Auf jedem Kärtchen steht jeweils ein Schlüsselbegriff – also eine Definition oder eine kurze Aussage zur jeweiligen Lerneinheit.

Die Vorbereitung: Begriffe sammeln

Die Aufgabe ist es, mithilfe der Materialien die im Lauf des Seminars genannten Begriffe und Aussagen in eine hilfreiche vernetzte Darstellung zu bringen. Das Ergebnis ist ein individuell aufbereitetes Netz von Begriffen, das an eine Karte erinnert. Das Bild eröffnet kreative Denkwege: Zusammenhänge lassen sich leichter entdecken, Probleme schneller erkennen und Fragen präziser stellen.

Als Trainer sollten Sie bei der sorgfältigen Vorbereitung so viele Begriffe verwenden, dass die Teilnehmer die Zusammenhänge konstruieren können. Gleichzeitig sollte die Landkarte des jeweiligen Themas überschaubar bleiben. Typische Werte aus der Praxis sind sieben bis zehn Begriffe pro Lernlandkarte – also pro Lerneinheit.

Fazit

Lernlandkarten lassen sich im Lernprozess an verschiedenen Stellen nutzen: Sie helfen dabei, den Sachverhalt zu visualisieren. Oder auch, um diesen zu erkunden und für den weiteren Lernprozess Schlüsse daraus zu ziehen. Der Effekt: Die Lernenden identifizieren sich stärker mit den Inhalten und können sich auch Wochen nach dem Seminar noch gut an sie erinnern. Im Seminarordner dienen Lernlandkarten als visuelles Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Lerneinheit.

Eine detaillierte Beschreibung dieser Lernmethode ist im Februar 2019 in der Trainingaktuell erschienen.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Weitere kreative Lernmethoden für IT- und Fachseminare lernen Sie in unserer Ausbildung zum Certified Professional Trainer kennen.

Wolfgang Ponikwar

freier Trainer, München

Wolfgang Ponikwar ist als freiberuflicher Trainer für die ISARTAL akademie tätig. Neben seinen Themenschwerpunkten Anforderungsmanagement und -modellierung beschäftigt er sich als ausgebildeter Suggestopädie-Trainer mit lernfördernder Unterrichtsgestaltung.

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*Diese Felder sind Pflichtfelder!

Bleiben Sie auf dem Laufenden – Registrieren Sie sich für unseren Newsletter